Wissenshappen

Unsere Erde

Vor 66 Millionen Jahren starben nicht nur die Dinosaurier, sondern es starben auch viele andere Tiergruppen. wie z.B. die Fischsaurier und die Flugsaurier (die zwar Saurier, aber keine DINOsaurier waren). Die Ursachen werden in der Wissenschaft heiß diskutiert: Man weiß heute, dass zeitgleich mit dem Aussterbe-Ereignis ein gewaltiger Meteorit (Durchmesser 14 Kilometer) in der Gegend des heutigen Golfs von Mexiko einschlug der weltweit einen drastischen Wandel im Klima hervorgerufen haben muss. Wahrscheinlich folgten niedrigere Temperaturen, dazu große Auswirkungen auf die Vegetation und daher auf die Nahrungsgrundlage vieler Lebewesen. Zudem gab es zu dieser Zeit eine ungewöhnlich starke vulkanische Aktivität im Bereich des heutigen Indien, bei der große Mengen an Asche und Staub, aber auch giftige Gase über längere Zeit in die Atmosphäre gelangten. Die Ereignisse führten vermutlich im Meer zu einer starken Versauerung, weshalb auch marine Organismen ausstarben.

Dr. Harald Kullmann, Zentrum für Didaktik der Biologie, Universität Münster

Es gibt verschiedene „größte“ Tiere auf unserer Erde – entscheidend ist der Maßstab, den man anlegt: Dem Gewicht nach sind Blauwale mit bis zu 200 Tonnen mindestens doppelt so „groß“ wie es die Dinosaurier waren. Bei diesen gibt es jedoch viele Unklarheiten, da man oft nur einzelne Knochen findet, aus denen Forschende die Daten ermitteln. Bezieht man „Größe“ nur auf die Länge eines Tieres, können Dinosaurier der Gattungen Patagotitan oder Argentinosaurus mit über 30 Metern mit dem Blauwal mithalten, ja, ihn sogar übertreffen. Geht es nur um die Länge, liegen aber ganz andere Tiere vorn: Schnurwürmer der Art Linnaeus longissimus werden regelmäßig länger als 30 Meter – im 19. Jahrhundert wurde ein Exemplar gefunden, das sage und schreibe 55 Meter lang gewesen sein soll.

Dr. Harald Kullmann, Zentrum für Didaktik der Biologie, Universität Münster

Auf unserem Planeten wachsen fast überall Bäume, die einige Gemeinsamkeiten haben: Sie sind groß, haben einen dicken Stamm und kräftige Wurzeln. Doch warum ist das so? In die Höhe zu wachsen hat für Pflanzen viele Vorteile, denn sie nehmen auf diese Weise anderen Pflanzen das Sonnenlicht weg und können ihre Samen besser verteilen. Dafür muss die Pflanze genug Wasser bis in ihre Blätter transportieren – gegen die Schwerkraft. Die Lösung bieten besondere, röhrenförmige Gefäße, die zum Teil so verstärkt sind, dass sie zu Holz werden. Auch Wurzeln verleihen Stabilität: Sie verankern die Bäume nicht nur im Boden, sondern versorgen sie auch mit Wasser und Nährsalzen. Die ersten Pflanzen, die diese Neuerungen vereinten, waren Archaeopteris: Sie lebten vor etwa 380 Millionen Jahren, zu einer Zeit, als die ersten Wirbeltiere das Land eroberten. Archaeopteris sind aber längst ausgestorben. Zu den ältesten noch existierenden Baumarten zählen der Ginkgo (Ginkgo biloba) und die Araukarien, deren Linien seit über 150 Millionen Jahren auf der Erde vorkommen.

Prof. Dr. Meret Huber, Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Quantum 100

zum Thema „Quantum 100“ gibt es außerdem die Quantenköpfe

Ohne Kernkraft wären die Atome nicht stabil und unser Universum würde gar nicht existieren. Menschen können aber mit ihrem Wissen über die Kernkraft Dinge tun, die tatsächlich sehr schlimm sind
Was ist Kernkraft genau? Im Atomkern befinden sich positiv geladene Teilchen (Protonen) und neutrale Teilchen (Neutronen). Die Protonen stoßen sich aufgrund ihrer gleichen elektrischen Ladung gegenseitig ab. Nur weil die anziehende Kernkraft gegenüber der elektrischen Kraft überwiegt, bleiben die Protonen im Kern. Außerhalb des Atomkerns merkt man von der Kernkraft wenig.   Was ist nun Nuklearenergie? Das ist die Energie, die gebraucht würde, um eines der Protonen gegen die Kernkraft aus dem Kern „herauszuziehen“. Für diese winzige Strecke braucht man sehr viel Energie! In Atombomben wird zum Beispiel durch das Platzen von schweren Atomkernen ganz viel Nuklearenergie freigesetzt. Das ist furchtbar! Atomkraftwerke nutzen die Atomkraft kontrollierter. Dabei entstehen aber neue Atome als „Zerfallsprodukte“. Diese Atome sind radioaktiv. Sie zerfallen und setzen schädliche Strahlung frei: zum Teil für wenige Minuten, zum Teil für Jahrtausende! Hätten die Ägypter vor 5000 Jahren diese Technologie genutzt, hätten wir noch heute ihren „Atommüll“ …

Prof. Dr. Stefan Heusler, Institut für Didaktik der Physik, Universität Münster

Unsere Welt ist aus Atomen aufgebaut. Jedes Atom besteht aus einem Atomkern (positiv geladen, +) und Elektronen (negativ geladen, –). Die Elektronen im Atom können nur bestimmte Energien annehmen. Stellen wir uns ein Bücherregal vor: Je höher ein Buch steht, desto mehr Energie hat es. Das Atom ist also ein Elektronen-Regal. Bei einem Quantensprung hopst ein Elektron nun von seinem Platz auf einen anderen freien Platz. Springt es nach oben, wird Energie verbraucht. Fällt es nach unten, wird Energie frei. Diese Energie kann in Form von Licht verbraucht oder erzeugt werden. Jedoch wird bei einem Quantensprung sehr wenig Energie verbraucht oder freigesetzt. Wagen wir den Vergleich mit einem extrem leichten Tier: Wie hoch müsste ein Floh springen, um die Energie von einem Quantensprung im Atom zu verbrauchen? Die Antwort: Deutlich weniger, als ein Atom groß ist! Die Vorgänge der Quantenphysik lassen sich also mit unseren Alltagserfahrungen nur schwer begreifen.

Dr. Daniel Wigger, Fachbereich Physik, Universität Münster

Es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen unserer Alltagswelt und der Welt der Atome: In der atomaren Welt lassen sich bestimmte Messungen nicht exakt durchführen. Beobachten wir etwa eine Murmel auf einem Tisch, gehen wir nicht davon aus, dass sich ihre Lage durch die Einwirkung des Lichts, mit der wie sie beobachten, ändert. Auch wenn wir die Geschwindigkeit eines Autos im Radar, also mit Radiowellen, messen, erwarten wir nicht, dass das Auto dadurch angestoßen wird. Nicht so in der Welt der Atome! Möchten wir die Lage und die Geschwindigkeit eines Elektrons mit Licht und Radiowellen messen, passiert etwas Kontraintuitives: Weil die Quanten im Licht oder in den Radiowellen im Vergleich zur Masse des Elektrons genug Energie tragen, ändert sich die Bewegung des Elektrons nach dem Aufprall des Lichts. Die Geschwindigkeit und auch die Lage des Elektrons haben sich nach der Messung verändert! Versuchen wir die Messung anzupassen, um die Einwirkungen zu verringern, verliert die Messung an Präzision. Die Heisenberg‘sche Unschärferelation drückt dies aus: die Unmöglichkeit der gleichzeitigen genauen Messung von Partnergrößen, wie Lage und Geschwindigkeit.

Priv. Doz. Dr. Karol Kovařík, Institut für Theoretische Physik, Universität Münster

Das Wort Quanten (oder Quantum) bezeichnet die kleinste mögliche Menge einer physikalischen Größe. Die Quanten-Ära begann als Max Planck und Albert Einstein feststellten, dass das Licht aus (sehr) kleinen Energieklumpen besteht. Diese nannte Einstein Lichtquanten. Vorher dachte man, dass Licht wellenförmig ist. Heute weiß man, dass Licht aus einzelnen Energiepaketen besteht, dass es eine kleinste Menge an Energie, die eines einzelnes Quantums, gibt und dass diese Energie von der Farbe des Lichts abhängt. Je heller das Licht, umso mehr Lichtquanten werden ausgestrahlt. Wieso sehen wir die Lichtquanten nicht als kleine Punkte an der Wand, wenn wir eine Lampe anschalten? Das liegt an der unglaublich kleinen Energie der Lichtquanten oder andersherum an ihrer sehr großen Anzahl. Eine Glühbirne mit 100 Watt strahlt z.B. jede Sekunde fast so viele Lichtquanten aus wie die Anzahl aller Sterne im Universum. Das ist eine Zahl mit zwanzig Nullen!

Priv. Doz. Dr. Karol Kovařík, Institut für Theoretische Physik, Universität Münster


Forschung for Future

Zum chemischen Recycling wird weltweit vielfältig geforscht. Tendenz steigend: Im Jahr 2022 wurde mit 1.300 wissenschaftlichen Publikationen ein bis dato neuer Spitzenwert erreicht. Auch die Anzahl der Patente im Bereich des chemischen Recyclings ist seit gestiegen. Zum Vergleich:  2022 wurden über 3.200 Patente angemeldet, im Jahr 2000 knapp 600. An der Universität Münster wird dazu in der Batterie-Forschung, Pharmazie und Chemie geforscht. Ein wichtiges Thema in der Chemie ist die Verarbeitung von Plastikmüll und Bioabfall durch chemisches Recycling. Aber wie funktioniert das? Beim chemischen Recycling wird im Unterschied zum mechanischen Recycling zum Beispiel Plastikmüll nicht zerkleinert, sondern in seine Bestandteile umgewandelt – etwa in Rohstoffe wie Öle oder Gase. Daraus können dann neue Kunststoffe gewonnen werden. Bis solche neuen Arten von Recycling den Weg aus dem Labor in die Praxis finden, dauert es aber oft sehr lange.

Jun.-Prof. Dr. Stephan von Delft, Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich Chemie und Pharmazie

Bei der maximalen Geschwindigkeit, die ein Elektroauto erreichen kann, gibt es keine Unterschiede zu Benzinautos. Es ist jedoch so, dass viele Hersteller*innen die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge begrenzen. Das tun sie, weil schnelles Autofahren viel Energie braucht – unabhängig davon, ob eine Batterie in Form von Strom oder ein Tank in Form von Benzin diese Energie liefert. Gerade weil ein Elektroauto umweltfreundlich und nachhaltig sein soll, begrenzen viele Autohersteller die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h oder 180 km/h. Manche erlauben sehr schnelles Fahren nur für eine begrenzte Zeit. Das spart einerseits Energie und schont andererseits die Batterie, sodass sie nicht so schnell altert und möglichst lange funktionstüchtig bleibt. Wenn man mit einem Auto mit Benzinmotor häufig schnell fährt, geht der Motor übrigens ebenfalls schneller kaputt.

Elektroautos haben einen weiteren Vorteil. Sie beschleunigen viel schneller als Benzinautos. Das ist zum Beispiel für Rennfahrer*innen sehr wichtig, die in möglichst kurzer Zeit eine hohe Geschwindigkeit erreichen wollen. Elektroautos reagieren quasi sofort mit voller Power, wenn man auf das Gaspedal drückt. Der Motor eines Benzinautos hingegen braucht eine gewisse Zeit, bis die notwendige Drehzahl erreicht ist, um die volle Kraft auf die Straße zu bringen. Es überrascht daher wenig, dass viele sagen, dass ein Elektroauto beschleunigt wie eine Rakete.

Dr. Falko Schappacher, MEET (Münster Electrochemical Energy Technology)

Oft erschweren die sozialen Verhältnisse nachhaltiges Verhalten. Menschen, die auf dem Land leben, haben etwa häufig keine guten Bahn- oder Busverbindungen, um zur Arbeit zu kommen. Sie sind auf das Auto angewiesen. Wie Arbeit und Mobilität gesellschaftlich organisiert sind, ist also ein Grund dafür, dass Menschen sich nicht nachhaltig verhalten. Zudem haben wir viele Verhaltensweisen entwickelt, die nicht nachhaltig sind, aber für viele Menschen ein gutes Leben ausmachen (z.B. in den Urlaub zu fliegen). Obwohl Fliegen schlecht für das Klima ist, tun wir, was andere machen. Wir Menschen sind nämlich soziale Wesen und orientieren uns am Verhalten der anderen. Welche Vorstellungen von einem guten Leben in einer Gesellschaft gelten, ist also ein zweiter Grund.

Auch Waren spielen eine Rolle: Kinder sehen zum Beispiel, dass ihr Umfeld Handys nutzt und möchten an diesem Verhalten teilhaben. Ist die Technologie dann ein Teil ihres Lebens geworden, ist ein Leben ohne Handy kaum vorstellbar. Die Produktion von Handys basiert jedoch auf der Ausbeutung der Natur und Menschen in anderen Ländern. Wie Waren in einer Gesellschaft produziert werden, ist also ein dritter Grund. Für mehr Nachhaltigkeit müssten daher die sozialen Verhältnisse verändert werden und wir bräuchten alternative Ideen von einem guten Leben. 

Dr. Björn Wendt, Institut für Soziologie

Sonnenlicht besteht aus verschiedenen Farben, das heißt aus Licht mit verschiedener Energie. Es gibt Materialien für Solarzellen, die nur hochenergetisches (eher blaues) Licht absorbieren können. Dabei entsteht wenig Strom, dafür aber eine hohe Spannung. Und es gibt Materialien, die Licht mit weniger Energie (eher rotes) Licht absorbieren können. Dabei wird viel Strom generiert, allerdings nur eine geringe Spannung. Für eine möglichst gute Solarzelle mit hohem Wirkungsgrad möchte man beides erreichen: viel Strom und eine hohe Spannung. Deshalb werden Materialien gewählt, die den besten Kompromiss aus diesen gegenläufigen Effekten ermöglichen. Es gibt auch schon Tandem-Solarzellen, in denen verschiedene Materialien übereinandergeschichtet sind. Dabei absorbiert die erste Schicht das Licht hoher Energie und die Schichten darunter Licht mit immer weniger Energie. Tandem-Solarzellen sind sehr effektiv, aber ihre Herstellung ist schwierig und teuer. Daher lohnt es sich momentan mehr, wenn man Standardsolarzellen auf einer möglichst großen Fläche verwendet.

Dr. Milena Merkel, Physikalisches Institut


Freiheit

In der Soziologie wird überlegt, wie die verschiedenen Formen von Freiheit im Zusammenleben mit anderen umgesetzt werden können. Eine Freiheitsform ist die Bewegungsfreiheit: Jeder Mensch darf sich ungehindert bewegen und sich entfalten. Außerdem gibt es Entscheidungsfreiheit oder Wahlfreiheit: Jeder Mensch kann sich frei für oder gegen etwas entscheiden. Da wir Menschen im gemeinsamen Zusammenleben aber aufeinander angewiesen sind, müssen wir unser Handeln mit anderen abstimmen. Bekannt ist auch der Spruch: „Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit der anderen beginnt.“ Man muss also seine eigenen Bedürfnisse nach Freiheit im Zusammenleben mit anderen einschränken. Das nennt man in der Soziologie freiwillige Selbstbindung.

Prof. Dr. Matthias Grundmann, Institut für Soziologie

Aus Sicht der Psychologie findet Freiheit im Kopf statt. Die Freiheit des Denkens, Handelns und der Gefühle wird als ein sogenanntes neuronales Konstrukt gesehen, das durch verschiedene Prozesse im menschlichen Gehirn bestimmt wird. Die Freiheit des Denkens bezeichnet die Möglichkeit, zu denken, was man möchte. Die Freiheit der Gefühle bemerkt man z.B. daran, dass man einige Menschen mag und andere nicht. Zudem gibt es die Freiheit des Handelns – zum Beispiel, wenn Menschen sich schlecht ernähren, obwohl Sie wissen, dass dies negative Folgen für Gesundheit hat. Freiheit entsteht also im menschlichen Bewusstsein und bestimmt unsere täglichen Entscheidungen („Esse ich eine ganze Tafel Schokolade oder nicht?“).

Diplom-Psychologe Marc Oliver Stallony, Arbeitsstelle Forschungstransfer

In der Rechtswissenschaft ist Freiheit ein Wert. Freiheit ist wertvoll, und sie zu schützen ist Aufgabe des Staates. Das macht der Staat auch dadurch, dass im Grundgesetz, dem wichtigsten Gesetz, das wir haben, Grundrechte geschrieben stehen. Es gibt welche etwa dafür, einen für sich passenden Beruf auszuwählen, seine Meinung zu äußern und zu tun, was man möchte. Wichtig ist, dass Menschen dabei immer auch die Freiheit der anderen beachten. Weil das nicht alle machen, darf der Staat die Freiheit einschränken. Das geht aber nur mithilfe eines Gesetzes. Das kann z.B. der Polizei erlauben, die Freiheit einer Person zu beschränken, um die Freiheit anderer zu schützen – etwa, indem jemand kurzfristig eingesperrt wird, der eine Straftat begehen will.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Markus Thiel, Deutsche Hochschule der Polizei

Farben haben kein Geschlecht – sie können aber Geschlechter kennzeichnen, wenn eine Gesellschaft eine solche Markierung verlangt. In den letzten hundert Jahren haben sich für die zwei Geschlechter „männlich“ und „weiblich“ bei Kindern die Farben rosa und blau durchgesetzt. Daran beteiligt waren vor allem die Werbung, Publikumszeitschriften und Elternratgeber. Die Hersteller von Kinderkleidung und anderen Produkten übernahmen und unterstützen die neue Farbordnung. Besonders von Seiten der Konsumgüterindustrie wird sehr stark versucht, getrennte Farb- und Produktwelten für Mädchen und Jungen zu bewerben und zu verkaufen. Es geht dabei darum, trotz der schrumpfenden Zielgruppe (es gibt immer weniger Kinder) den Konsum und damit den Umsatz zu steigern. Dieses sogenannte Gendermarketing wird heutzutage allerdings immer wieder stark kritisiert. Viele möchten selbst frei entscheiden, welche Farben ihre Kinder tragen, ohne dabei eine Aussage zum Geschlecht des Kindes zu treffen. Zusammengefasst kann man festhalten, dass es sich bei der farblichen Codierung um eine vor 100 Jahren erfundene Tradition handelt, die sich erstaunlich lange hält.

Prof. Dr. Lioba Keller-Drescher, Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie

Was hat Freiheit mit Frieden zu tun … in Münster?

Freiheit und Frieden gibt es nur, wenn alle mitmachen. Vor fast 400 Jahren haben die Menschen in Münster genau das geschafft. Sie haben den Westfälischen Frieden ausgehandelt. Dadurch gingen ein 30-jähriger und ein 80-jähriger Krieg zu Ende. Die Niederlande und die Schweiz haben dadurch ihre Unabhängigkeit und Freiheit bekommen. Die Menschen waren sehr glücklich, als es endlich Frieden gab. Viele von ihnen hatten nur Krieg erlebt, der viel Chaos angerichtet und viele Menschen getötet hat. Schließlich waren alle erschöpft und endlich bereit, miteinander zu reden, um Frieden zu schließen. Die Gespräche waren schwierig und haben fast fünf Jahre gedauert. Deshalb haben manche Leute das als das Wunder von Westfalen bezeichnet.

Dr. Erik Tolen, Wissenschaftsbüro der Stadt Münster
Philipp Brockkötter, Friedensbüro der Stadt Münster

Man kann wunderbar darüber streiten, welche Musik besser, cooler oder wichtiger ist. Denkt man aber darüber nach, ob Musik ein Modell von Freiheit sein kann, wird es komplizierter: Freiheit hat mit Politik zu tun, sie wird uns gesetzlich garantiert – zum Beispiel auch als Freiheit der Kunst.

Musik kann auch politisch verwendet werden, z. B. wenn Lieder Unrecht anprangern oder Freiheit fordern. Dann steckt die Botschaft aber meistens nicht in der Melodie, sondern in den Texten. In einigen Teilen der Welt ist dies verboten. Plötzlich entscheidet der Ort darüber, an dem die Musik entsteht und gehört wird, wie selbstverständlich oder bedroht diese Freiheit ist.

Soweit man in der Geschichte der Menschheit zurückschauen kann, wollte man Musik immer auch politisch kontrollieren. Denn sie kann Menschen miteinander verbinden und ermuntern, für sie zu kämpfen. Ein Modell von Freiheit ist Musik aber nicht, denn Menschen verwenden sie auch dazu, um Hass zu verbreiten und Streit zu schüren.

Musik braucht selbst Freiheit, damit wir bei ihr finden können, was jede und jeder von uns ganz persönlich bei ihr sucht.

Prof. Dr. Michael Custodis, Institut für Musikwissenschaft

In den deutschen Bundesländern ist die Schulpflicht gesetzlich vorgeschrieben.: Kinder und Jugendliche müssen in die Schule gehen, ob sie das wollen oder nicht.  Nicht einmal die Eltern dürfen entscheiden, dass ihr Kind nicht in die Schule soll. Dafür kann der Staat sie sogar bestrafen. Durch diese Gesetze schränkt der Staat die Freiheiten von Schüler*innen und Eltern stark ein. So etwas darf er nach dem Grundgesetz nur, wenn er damit ein sehr wichtiges und berechtigtes Ziel verfolgt.

Warum also darf der Staat die Schulpflicht vorschreiben? Dahinter steckt, dass alle Kinder ein Menschenrecht auf Bildung haben. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass so ein Recht in Deutschland aus dem Grundgesetz folgt. Kinder sollen durch schulische Bildung Wissen und Fähigkeiten erlangen, die Welt verstehen und ihre Persönlichkeit entwickeln.

Allerdings folgt aus diesem Recht nicht zwingend die Pflicht, zur Schule zu gehen. Warum muss die Bildung also in der Schule erfolgen? Ein Grund ist die Sicherung von Chancengleichheit: Ohne Schulpflicht könnten reiche Eltern ihren Kindern einen unfairen Vorteil gegenüber armen Kindern sichern. Ein anderer Grund ist der Schutz der Kinder: Eltern könnten ihre Kinder schlecht behandeln.  Lehrpersonen können dagegen etwas tun. Dieser Schutz fällt weg, wenn die Kinder nur zu Hause sind. Ein dritter Grund ist die Förderung der Meinungsbildung: Kinder lernen in der Schule verschiedene Weltbilder kennen, auch solche, die ihre Eltern ablehnen.

Die Schulpflicht ist gerechtfertigt, weil sie allen Kindern die gleichen Chancen darauf gibt, zu lernen, sicher aufzuwachsen und andere Sichtweisen kennen zu lernen.

Dr. Isabel Lischewski, Rechtswissenschaftliche Fakultät

Eine wichtige Funktion der Polizei ist es, die Bevölkerung vor Gefahren zu schützen und möglichst viel Sicherheit zu schaffen. Sie verhütet Straftaten, verfolgt und klärt sie auf, und verhindert, dass Menschen zu Schaden kommen. Das nennt man Schutz der öffentlichen Sicherheit.

Sicherheit ist notwendig für die Freiheit: Nur wenn man sich sicher fühlt und tatsächlich sicher ist, kann man die eigene Freiheit nutzen, sich frei bewegen und frei entfalten. Die Polizei beschützt also unsere Freiheit und Sicherheit.

Manchmal muss die Polizei die Freiheit einschränken, um Regeln durchzusetzen, damit die Sicherheit erhalten bleibt. Dafür darf sie im absoluten Notfall auch Waffen einsetzen. Damit die Polizei nicht zu stark in die Freiheit eingreift, ist auch sie an Recht und Gesetz gebunden. Diese notwendige Gesetzesgrundlage dient dem Schutz der Freiheit.

Vielleicht hast Du schon gehört, dass die Polizei öfter kritisiert wird, zu schnell oder zu viel Gewalt eingesetzt zu haben. Manchmal passiert das – auch Polizist*innen sind Menschen und verhalten sich mal falsch. Wir können uns aber darauf verlassen, dass die Polizei unsere Freiheit schützen und nicht verletzen will.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Markus Thiel, Deutsche Hochschule der Polizei

Die Frage, warum es den Menschen gibt, ist gleichbedeutend mit der Frage, warum es ein Wesen gibt, das die Freiheit hat, sich selbst gattungstypische Eigenschaften wie z.B. Mitleidsfähigkeit und  eben Willensfreiheit zuschreiben kann und sich dadurch definiert. Auf diese Frage haben bisher nur die Theologen unter Verweis auf den Willen der Schöpfung eine Antwort gefunden. Die anderen Wissenschaften stehen vor einem Rätsel. Die Wissenschaft kann ihre Methoden und Instrumente nur einsetzen, um festzustellen, ob der Mensch z.B. über einen freien Willen verfügt oder nicht. Sie kann aber nicht erklären, warum sich der Mensch über seine tierischen Instinkte hinwegsetzen kann, warum es also den Menschen mit all seinen Eigenschaften wie Scham, Mitgefühl und freiem Willen gibt, die ihn erst zum Menschen im umfassenden Sinne machen. Die Frage, warum aber nur der Mensch frei ist, sich selbst Zwecke zu setzen, die evolutionsbiologisch betrachtet keinen Selektionsvorteil darstellen (, etwa den Sterbenden zu helfen oder über sich selbst im Verhältnis zu anderen Lebewesen nachzudenken), kann wissenschaftlich nicht objektiv beantwortet werden.

Prof. Dr. Ursula Reitemeyer-Witt, Institut für Erziehungswissenschaft

Um zu wissen, wer man ist, braucht man Antworten auf verschiedene Fragen: Wer will ich sein? Wie möchte ich leben? Wie sollen andere mich wahrnehmen? Insgesamt geht es darum, eine Balance zwischen subjektiver Freiheit und sozialer Zugehörigkeit zu finden. Im Jugendalter werden die entscheidenden Weichen für den weiteren Lebensweg gestellt und es entwickelt sich erstmals die eigene Identität. Dies ist wichtig, um für sich selbst, aber auch für das Zusammenleben mit anderen Verantwortung übernehmen zu können. Junge Menschen stehen dabei vor drei zentralen Herausforderungen: Sie müssen umfassende Kompetenzen erwerben (Qualifizierung), in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht Eigenständigkeit erlangen (Verselbstständigung) und ihren eigenen Platz in der Gesellschaft suchen und finden (Selbstpositionierung). Aber nicht alle jungen Menschen haben die gleichen Bildungschancen oder können in materieller Sicherheit Freiräume nutzen, um sich auszuprobieren und um Neues zu lernen. Das heißt, die Möglichkeiten junger Menschen, die für sie passenden und sozial anerkannten Antworten zu finden und zu leben, sind ungleich verteilt.

Prof. Dr. Karin Böllert, Institut für Erziehungswissenschaft