Wie lange gibt es noch Bargeld?

Eine gute Frage! Die Antwort lautet: Bargeld wird verschwinden, wenn die Menschen aufhören daran zu glauben, dass Bargeld wertvoll ist, oder wenn es eine bessere Alternative für die Bezahlung von Einkäufen gibt.

Wann verlieren Menschen den Glauben an Bargeld? Bargeld besteht aus kleinen, rundlichen Metallstücken (Münzen) und aufwändig bedruckten Papierstreifen (Scheinen). Beides hat nur einen geringen Materialwert. Der Wert des Bargelds entsteht dadurch, dass die Menschen es benutzen, um damit für Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Das funktioniert, weil die Verkäufer das Bargeld für wertvoll erachten und glauben, dass auch sie damit für Waren und Dienstleistungen bezahlen können. Wenn dieser Glaube schwindet, akzeptieren sie das Bargeld nicht mehr als Zahlungsmittel. Genau das ist in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg passiert, als es Lebensmittelknappheit gab und viele Güter nur auf dem Schwarzmarkt zu haben waren. Doch die damalige staatliche Währung, die Reichsmark, hatte stark an Wert verloren und damit auch das Vertrauen der Menschen. Statt Bargeld wurde auf dem Schwarzmarkt mit Zigaretten bezahlt. Die Menschen in der DDR haben regelmäßig die westdeutsche D-Mark der Mark der DDR (Ostmark) vorgezogen. Heute könnte Bargeld als Zahlungsmittel an Wert verlieren, wenn es schwerer wird, es zu benutzen: wenn es immer weniger Geldautomaten gibt oder wenn Geschäfte kein Bargeld mehr annehmen.

Was könnte eine bessere Alternative zu Bargeld sein? Schon lange bevor es moderne Geldscheine und Münzen gab, haben Menschen andere Dinge als Zahlungsmittel benutzt. Manchmal waren es Muscheln, Perlen, Felle, Salz oder Vieh. Später spielten auch Metalle wie Gold und Silber eine wichtige Rolle. Entscheidend war nicht, dass ein Gegenstand offiziell „Geld“ hieß. Wichtig war, dass viele Menschen ihn als wertvoll anerkannten und ihn im Tausch akzeptierten. Daran sieht man: Wenn Menschen handeln wollen, finden sie fast immer etwas, das wie Geld funktioniert.

Heute bezahlen viele Menschen immer häufiger mit Karte, Smartphone oder online. Das ist bequem, schnell und oft sehr einfach. Bargeld muss gedruckt, geprägt, transportiert, gezählt und sicher aufbewahrt werden. Das verursacht Aufwand und Kosten. Manche Menschen empfinden Bargeld auch als unhygienisch, obwohl das tatsächliche Gesundheitsrisiko wohl eher gering ist. Auch aus staatlicher Sicht hat Bargeld Nachteile: Es kann Steuerhinterziehung und Geldwäsche erleichtern, besonders bei großen Beträgen.

Auf der anderen Seite gibt es gute Gründe, warum viele Menschen Bargeld behalten möchten. Wer bar bezahlt, hinterlässt nicht automatisch Datenspuren bei Banken, Zahlungsdiensten, großen Technikfirmen oder Behörden. Vielen Menschen ist es wichtig, etwas bezahlen zu können, ohne dass jede einzelne Zahlung gespeichert wird. In diesem Sinn kann Bargeld auch ein Stück Freiheit und Privatsphäre schützen.

Hinzu kommt: Bargeld funktioniert sehr einfach. Man braucht kein Konto, keine App, kein Smartphone und keine Internetverbindung. Wenn der Akku leer ist, das Kartengerät ausfällt oder es technische Störungen gibt, kann man trotzdem bezahlen. Gerade in Krisen kann Bargeld deshalb eine wichtige Notlösung sein. Es ist etwas, das man direkt in der Hand hat.

Zudem können nicht alle Menschen gleich gut digital bezahlen. Kinder und Jugendliche haben oft noch keine eigene Bankkarte. Manche ältere Menschen möchten keine Bezahl-App nutzen. Andere Menschen haben kein Smartphone, kein Konto oder fühlen sich mit digitalen Angeboten unsicher. Für sie kann Bargeld wichtig sein, damit sie im Alltag selbstständig bezahlen können. Eine bargeldlose Wirtschaft könnte manche Menschen ausschließen. 

Wie viel Bargeld genutzt wird, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Deutschland spielt Bargeld immer noch eine große Rolle, auch wenn seine Bedeutung sinkt. Im Jahr 2025 wurden laut Bundesbank 45 Prozent der erfassten Alltagszahlungen bar bezahlt. In Schweden sieht es ganz anders aus. Dort gaben im Jahr 2025 nur 5 Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf im Geschäft bar bezahlt zu haben.

Ein Grund für solche Unterschiede könnte das Vertrauen in den Staat und in digitale Systeme sein. In skandinavischen Ländern wie Schweden, Dänemark oder Norwegen bezahlen viele Menschen sehr selbstverständlich digital. Sie scheinen weniger Sorge zu haben, dass ihre Zahlungsdaten gegen sie verwendet werden. Aber Vertrauen ist nicht der einzige Grund. Auch gute Technik, einfache Bezahl-Apps, Gewohnheiten und die Frage, ob Geschäfte Bargeld annehmen, spielen eine Rolle.

In Zukunft könnte der digitale Euro einen Teil des Bargelds ersetzen. Er soll ähnlich wie Bargeld funktionieren, aber rein digital erfasst werden. Ob er wirklich eine bessere Alternative wird, hängt aber davon ab, ob die Menschen ihm vertrauen und ob er im Alltag einfach funktioniert.

Prof. Dr. Johannes Becker

Institut für Finanzwissenschaften

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