Darf man Seesterne mit nach Hause nehmen?

Auf diese Frage kann man leider nicht einfach mit ja oder nein antworten. Zum einen gibt es ca. 1600 verschiedene Arten von Seesternen, von denen einige geschĂŒtzt sind, andere nicht. Zum anderen gibt es in verschiedenen LĂ€ndern unterschiedliche Bestimmungen, was geschĂŒtzt ist, was mitgenommen und was ausgefĂŒhrt werden darf.

Betrachten wir zunĂ€chst die Situation in Deutschland: An den deutschen KĂŒsten kommen nur sehr wenige Seestern-Arten vor. Davon ist allerdings eine Art, der Gemeine Sonnenstern (Crossaster papposus), streng geschĂŒtzt. Im Unterschied zu den meisten anderen Seesternen, die 5 Arme aufweisen, besitzt der Gemeine Sonnenstern 8 bis 14 Arme, woran er gut zu erkennen ist. Nach dem Bundesnaturschutzgesetzt ist es verboten, Tiere, die den Status „besonders geschĂŒtzt“ oder „streng geschĂŒtzt“ besitzen, tot oder lebendig in Besitz zu nehmen oder auch nur erheblich zu stören. Man darf diese Tiere also eigentlich nicht einmal anfassen. Alle anderen bei uns heimischen Seesterne haben 5 Arme und sind weder besonders, noch streng geschĂŒtzt. Diese Tiere darf man also sowohl anfassen, als auch tot oder lebendig mit nach Hause nehmen. Lebendige Tiere mitzunehmen ist aber nur dann vertretbar, wenn man sowohl fĂŒr den Transport als auch die Haltung geeignete Bedingungen bieten kann. Das dĂŒrfte in der Praxis in den meisten FĂ€llen nicht möglich sein, da dafĂŒr ein ausreichend großes Meeresaquarium benötigt wird.

Wenn Du also am Strand der Nord- oder Ostsee einen toten, fĂŒnfarmigen Seestern findest, dann darfst Du ihn getrost mitnehmen. Es wird sich dabei ĂŒbrigens in mehr als 99,9% aller FĂ€lle um den Gemeinen Seestern, Asterias rubens, handeln. Dieser Seestern ernĂ€hrt sich fast ausschließlich von Miesmuscheln und kann, wenn er in grĂ¶ĂŸeren Gruppen auftritt, ganze MuschelbĂ€nke leerfressen. Fun fact: Der Name „Gemeiner“ Seestern kommt aber nicht daher, dass die Muschelfischer dieses Verhalten ziemlich gemein finden, sondern leitet sich von „allgemein“, also „hĂ€ufig“ oder „normal“ ab. Das gilt fĂŒr alle Arten, die irgendwas mit „Gemein“ heißen.

Im Ausland ist die Situation eine ganz andere. Hier muss man nĂ€mlich nicht nur das deutsche Naturschutzgesetz beachten, sondern auch die landesspezifischen Schutzvorgaben und Ausfuhrbestimmungen. In manchen LĂ€ndern, wie beispielsweise der TĂŒrkei, ist die Ausfuhr sĂ€mtlicher „Kultur- und NaturgĂŒter“ bei hohen Strafen verboten. Hierunter können unter anderem auch am Strand gesammelte Steine oder Tiere fallen. GrundsĂ€tzlich wĂ€re mein Rat bei Reisen ins Ausland: Lieber Finger weg von allem, wovon man nicht absolut sicher ist, dass man es wirklich ausfĂŒhren darf! Und das gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr gekaufte Souvenirs. Nicht selten wartet sonst entweder bei der Ausreise aus dem Urlaubsland oder der Kontrolle durch den deutschen Zoll eine böse Überraschung.

Dr. Harald Kullmann

Zentrum fĂŒr Didaktik der Biologie

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