Wie schlafen Delfine bzw. Meerestiere?

Ganz einfache Meerestiere wie zum Beispiel Schw√§mme oder Korallen schlafen vermutlich gar nicht. Schlaf dient, etwas vereinfacht gesagt, zur Erholung des Gehirns, und wo kein Gehirn ist, da muss sich auch nichts erholen. Die meisten h√∂her entwickelten Meerestiere fahren einfach w√§hrend bestimmter Tageszeiten ihre Aktivit√§t runter. Viele Fische schlafen wie wir nachts. Dabei schweben sie mit Hilfe ihrer Schwimmblase im freien Wasser oder sie legen sich auf den Boden, manche graben sich sogar ein. Wer ein Aquarium hat, kann beobachten, dass viele Fische nachts auch wesentlich blassere Farben zeigen als tags√ľber. Es gibt sogar Fische, wie den Meerjunker, die einen regelrechten Winterschlaf halten. Da Fische keine Augenlider haben, schlafen sie mit offenen Augen. Ein besonderes Problem mit dem Schlaf unter Wasser haben nur solche Tiere, die regelm√§√üig an der Wasseroberfl√§che Luft holen m√ľssen. Meeresschildkr√∂ten k√∂nnen ihren Stoffwechsel im Schlaf so stark drosseln, dass sie mehrere Stunden unter Wasser bleiben k√∂nnen, ohne zu atmen. Das k√∂nnen Delfine, Wale und Seek√ľhe nicht. Sie geh√∂ren n√§mlich zu den S√§ugetieren und wie alle S√§ugetiere m√ľssen sie permanent eine konstant hohe K√∂rpertemperatur aufrecht erhalten, wof√ľr ein hoher Stoffwechsel und somit auch viel Sauerstoff ben√∂tigt wird. Diese Tiere m√ľssen folglich auch im Schlaf alle paar Minuten zum Atmen an die Wasseroberfl√§che. Die L√∂sung bei diesen Arten besteht darin, dass immer nur eine ihrer beiden Gehirnh√§lften schl√§ft und die andere wach ist.

Dabei wechseln sich die beiden Gehirnh√§lften regelm√§√üig ab. Somit ist immer eine Gehirnh√§lfte aufmerksam und kann sowohl die regelm√§√üige Atmung steuern als auch Gefahren erkennen, w√§hrend sich die andere erholt. Da stellt sich nat√ľrlich die Frage, ob Delfine auch tr√§umen k√∂nnen.

Messungen der Gehirnaktivität legen die Vermutung nahe, dass die schlafende Gehirnhälfte nicht träumt.

Dr. Harald Kullmann

Zentrum f√ľr Didaktik der Biologie

Kategorien: